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Wortklauberei (40): Von Kröten und Kanzlern

Wenn Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) jetzt im Regierungsflieger nach China sitzt, fliegen die Pläne für die Verkehrswende zur Elektromobilität mit. Denn ohne China wird es mittelfristig nichts mit dem batteriebetriebenen Elektroauto. Je nach Größe stecken in einer großen Fahrbatterie bis zu 70 kg Cobalt, 13,5 kg Lithium und 80 kg Kupfer (Quelle Enex.ME). Scholz weiß: Mehr als die Hälfte aller Rohstoffe für den Elektroantrieb stammen aus China. Bei der Windkraft und dem Solarstrom ist die Lage keineswegs entspannter.

Die so genannte Dekarbonisierung der Stromproduktion ist derzeit ohne das Reich der Mitte nicht denkbar. Denn die Generatoren in den Windkraftanlagen brauchen die Seltenen Erden, die Stromleitungen Kupfer. Das Land der Morgenröte fördert und verarbeitet rund 87 Prozent der weltweiten Vorkommen Seltener Erden und bis zu 65 Prozent von Metallen wie Kobalt, Kupfer, Lithium und Nickel.

Der Bundeskanzler hat sicher nicht vor, die Anhängigkeit von China zu zementieren. Aber Alternativen wie die kobaltfreie Batterie oder eine politisch korrekte Lieferkette für Seltene Erden und andere strategische Rohstoffe werden sich nicht von heute auf morgen realisieren lassen. Auch die Windkraftanlagen- und die Photovoltaik-Industrie – einst unsere Stärken – müssen erst reanimiert werden.

Das ist dann wohl eine der Kröten, die ein deutscher Bundeskanzler heutzutage bei einem Chinabesuch schlucken muss: In den nächsten Jahren kann bei uns weder die Energie- noch die Verkehrswende gelingen, wenn das autokratische, menschenverachtende China das nicht will. (Peter Schwerdtmann/cen)


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Peter Schwerdtmann.

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